Für eine Handvoll Euro … oder „Kosteneinsparungen“

Das Rätselraten nach dem „Warum“ geht weiter und doch werden die Gründe für den anstehenden Exodus der Darmstädter Redaktion von t-online.de immer offensichtlicher. Auf der Betriebsversammlung am 2. November antwortete Geschäftsführer Ralf Baumann auf die Frage, ob Ströer-Boss Udo Müller sich selbst mal in Darmstadt einfindet und den Fragen der Betroffenen stellt, sowohl desillusionierend als auch ehrlich. Er sagte sinngemäß, dass dieser Besuch nichts bringt, weil von Müller sowie so keine zufriedenstellenden Antworten zu erwarten seien.

Für eine Handvoll Euro ...

Für eine Handvoll Euro …

Ein deutlicher Hinweis auf den Grund für den Rauswurf von über 100 erfahrenen Redakteuren schlummerte indes im Bericht des Wirtschaftsausschusses. Dort wurde auch der „Business Case“ für „die Maßnahme“ – also die Teilbetriebsschließung der Redaktion in Darmstadt und die Schaffung einer neuen Redaktion in Berlin – angesprochen. Und dieser Business Case erwähnt unter anderem auch „Kosteneinsparungen“ als Benefit der Maßnahme. Was von Ströer gerne als „strategische Gründe“ verschleiert wird, lässt sich also wie erwartet aufs liebe Geld reduzieren. Die teure Redaktion in Darmstadt wird entsorgt und durch „Billigmacher“ in Berlin ersetzt. Dann wird die Kuh namens T-Online noch ein paar Jahre gemolken und dann geschlachtet. Das zeigt auch die Tatsache, dass die neuen Redakteure in Berlin „befristet auf zwei Jahre“ angestellt werden – dort steht nicht „vorerst befristet“, sondern nur „befristet“. Verlängerung nicht vorgesehen? Nachtigall ick hör`dir trapsen!

Taktische Spielchen

Unterdessen beginnt seitens Ströer wohl ein durchschaubares Taktieren. Für den Nachmittag des 3. November war die erste Gesprächsrunde zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber angesetzt. Doch unverhofft kommt oft, wurde kurzfristig und ohne Vorwarnung auf den gleichen Vormittag ein Termin ergänzt und zwar auswärts.

Hier sollten Immobilien für den Umzug der in Darmstadt verbleibenden Rest-Mitarbeitern – die vorerst nicht gefeuert werden – besichtigt werden. Die Immobilie des aktuellen Standorts in der T-Online-Allee 1 ist zu teuer, es soll eine günstigere gefunden werden. Und so sollten an eben diesem ersten Tag zwei Immobilien am Frankfurter Flughafen und eine in Frankfurt besichtigt werden.

Die Absicht ist wohl klar. Da der Betriebsrat seitens des Arbeitgebers auch bei diesem Umzug eingebunden werden muss, hat er das Recht, bei der Besichtigung solcher Immobilien – die sicher erst NACH dem Rauswurf der über 100 Redakteure relevant werden – dabei zu sein. Mit dieser kurzfristigen Terminbündelung sollte den Kollegen des Betriebsrates wohl der Vormittag als Vorbereitungszeit für die Gespräche am Nachmittag geraubt werden. Armselig aber durchschaubar.