20 Jahre Herzblut für T-Online – jetzt macht Ströer die Redaktion einfach dicht

Selbst noch Wochen nach der Hiobsbotschaft des Kölner Konzerns Ströer, die Darmstädter T-Online-Redaktion zu schließen, mehr als 100 erfahrene Online-Redakteure auf die Straße zu setzen und in Berlin einen neuen Newsroom mit anderen Redakteuren aufzubauen, herrscht weiter Rätselraten um das Warum. Für Verdi allerdings liegt der Verdacht nahe, dass Lohnkosten gedrückt werden sollen. Weil zudem nicht bekannt ist, dass bei Ströer in Berlin nach Tarif bezahlt wird, vermutet die Gewerkschaft hinter der Schließung auch eine Form von Tarifflucht.


Die Geschichte des Portals
Ende der 90er Jahre leitete der Werbeslogan „Deutschland geht T-Online“ die Erfolgsgeschichte des Portals ein. Einen erheblichen, wenn nicht gar den wichtigsten Anteil daran hatten die Redakteure, deren Jobs vom neuen Eigentümer Ströer jetzt einfach gestrichen werden.


Hier sehen Sie, welches Maß an Kompetenz, Herzblut, Identifikation, Ideenreichtum und Mut zur Veränderung die Redakteure in 20 Jahren in das Portal gesteckt haben.

Von den Anfängen unter BTX, über Online-Shows mit Thomas Gottschalk, den ersten Weltraumchat bis hin zur heutigen t-online.de. Wir nehmen Sie mit auf eine Zeitreise.

(Hier die Text-Version als PDF)

t-online-1997Auch der neue Eigentümer Ströer schmückt sich gern noch mit der Kompetenz der T-Online-Redaktion, wie hier zu sehen ist http://www.t-online.de/werben/ueber-uns/
20 Jahre – im schnelllebigen Internetzeitalter eine verdammt lange Zeit. 1995 ging t-online.de online und entwickelte sich seitdem vom reinen Internetprovider zum …

20 Jahre werden jetzt an die Wand gefahren
Vor 20 Jahren ging T-Online an den Start – jetzt fährt Ströer das Portal an die Wand. Mit der Auflösung der Darmstädter Redaktion macht der Plakatekleber Ströer rücksichtslos ein gutes Stück Internet- und Mediengeschichte zunichte.  Bei T-Online von Anfang an dabei waren die Redakteure. Sie waren es, die dem Portal im Verlauf der Jahrzehnte sein Gesicht gaben. Erst durch sie wurde T-Online zum größten General-Interest-Portal im deutschsprachigen Netz – und ist es bis heute geblieben.


In dieser Zeit wechselte die organisatorische Zugehörigkeit von T-Online ebenso mehrfach wie die inhaltliche Ausrichtung und die interne Struktur der Redaktion – bis T-Online im Oktober 2015 von der Deutschen Telekom an Ströer verkauft wurde. Trotz der häufigen Veränderungen und Strategiewechsel entwickelte sich die Redaktion kontinuierlich weiter. Sie half mit, den klassischen Journalismus in Deutschland in die Online-Welt zu führen.
Bis zuletzt war die Redaktion mit Herzblut dabei, Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft (Reichweitenverlust, zunehmendes mobiles Nutzerverhalten, Präsenz in den sozialen Medien) zu finden. Aber Ströer-Boss Udo Müller wollte diese Antworten offenbar nicht abwarten, sondern macht einfach einen Strich darunter. Andere, voraussichtlich jüngere und schlechter bezahlte Redakteure sollen das Portal in Berlin nun weiterführen – irgendwie…, vor allem aber wohl ohne Betriebsrat und Tarifbindung.
Typische Strategie von Unternehmen ohne den passenden Willen
Dieser Handstreich ist ganz typisch für einen aktuellen Unternehmertypus, der mit dem Wesen von Redaktionen wenig zu tun hat. Man nutzt die enorme Reichweite und die Inhalte von T-Online nicht, um das Portal weiterzuentwickeln. Eine Leidenschaft für Journalismus, Inhalte und die Bindung der Leser durch spannende Geschichten interessiert nicht mehr. Das sind aber zwingende Voraussetzungen, um ein Internet-Portal wie T-Online in die Zukunft zu führen.


Zwar sind sämtliche Managementbücher voll davon, dass man das richtige Engagement braucht, um langfristig Erfolg zu haben. Auch Erfahrungsberichte erfolgreicher Startups zeigen, dass man Leidenschaft für sein Thema haben muss. Aber nichts von alledem ist bei Ströer zu spüren – zum Leid der T-Online-Redakteure und wohl auch zum Leid der Zukunft des Portals.

Ein Kommentar

  1. […] 20 Jahre Herzblut für T-Online – jetzt macht Ströer die Redaktion einfach dicht | stroeerfeuer ::: Selbst noch Wochen nach der Hiobsbotschaft des Kölner Konzerns Ströer, die Darmstädter T-Online-Redaktion zu schließen, mehr als 100 erfahrene Online-Redakteure auf die Straße zu setzen und in Berlin einen neuen Newsroom mit anderen Redakteuren aufzubauen, herrscht weiter Rätselraten um das Warum. Für Verdi allerdings liegt der Verdacht nahe, dass Lohnkosten gedrückt werden sollen. Weil zudem nicht bekannt ist, dass bei Ströer in Berlin nach Tarif bezahlt wird, vermutet die Gewerkschaft hinter der Schließung auch eine Form von Tarifflucht. […]

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